Wie gestresst sind Sie wirklich?

Sind Sie fast jederzeit erreichbar und wollen unendlich belastbar erscheinen?
Begleitet Sie das Smartphone auf Schritt und Tritt?
Machen Sie sich Sorgen um Ihre Work-Life-Balance?
Haben Sie das Gefühl, dass Sie selbst meistens zu kurz kommen?
Gehören Sie auch zu den Menschen, die Multitasking als zeitsparend betrachten?
Halten Sie Pausen während der Arbeitszeit für unnötig unproduktiv genutzte Zeit?
Haben Sie das Gefühl, trotz größtem Einsatzes niemals alles schaffen zu können?
Fällt es Ihnen schwer, auch einmal „nein“ zu einer Aufgabe oder Bitte zu sagen?
Ärgert es Sie, dass Sie für Ihren Freundeskreis oder Ihre Familie kaum noch Zeit und Kraft finden?
Denken Sie manchmal an die Dinge, die Sie früher so genossen haben und jetzt einfach nicht mehr die Zeit dafür finden?
Versuchen Sie unaufhörlich, Ihre ToDo-Listen zu optimieren, um noch mehr Aufgaben in kürzerer Zeit effizient bewältigen zu können?

 Wie viele dieser Fragen mussten Sie insgeheim mit „ja“ beantworten? Vielleicht ist es an der Zeit, den eigenen Lebens- und Arbeitstil zu überdenken.

Wir leben in einer sich rasch verändernden multimedialen Gesellschaft, die uns allein durch Smartphones und andere elektronische Geräte ein Höchstmaß an Flexibilität erlaubt. Es scheint, als wäre die Welt jederzeit nur einen Mausklick entfernt. Wir haben uns daran gewöhnt, ständig und überall erreichbar zu sein und jede Minute produktiv nutzen zu können. Wir können von jedem Ort aus die Temperatur unserer Heizung daheim variieren, im Internet shoppen, Börsen- und Bankgeschäfte tätigen, den Mailverkehr verfolgen, an Web-Conferences teilnehmen, Anrufe umleiten, auf sozialen Plattformen verfolgen, welche Pizza unsere Freunde gerade essen und vieles mehr. Mit der Abschaffung der guten alten Kabel sind wir nicht mehr auf Büroräume und bestimmte Arbeitszeiten angewiesen und stehen trotzdem ständig unter Strom. Fluch und Segen zugleich, denn dieser Fortschritt fordert vom Menschen neue Kompetenzen. Wir müssen lernen, die technischen Möglichkeiten zu nutzen, um unser Leben zu vereinfachen und effizienter zu gestalten und nicht, um uns zu ihrem Sklaven zu machen.

Doch es sind natürlich nicht allein die Smartphones, die unseren Stress erhöhen. Die Geschwindigkeit des Lebens insgesamt scheint zugenommen zu haben. Die Vielfalt der Optionen in jedem Lebensbereich, die Informationsflut und die ebenfalls steigenden Ansprüche an das Individuum werden ab einem gewissen Ausmaß nicht mehr als Chance oder Vorteil wahrgenommen und verursachen negativen Stress. Hinzu kommen persönliche Rückschläge und Verluste, Krisen, Arbeitsplatzwechsel, Krankheiten und andere Situationen, bei denen die persönlichen Bewältigungsstrategien versagen können. Auch allein unser fortschreitendes Lebensalter setzt uns neue, ungewohnte Grenzen. Was in jungen Jahren alles problemlos parallel möglich war, kann später eher als Belastung empfunden werden. Private und berufliche Anforderungen wachsen dem Menschen über den Kopf, die Balance ist gefährdet.

Im Rahmen des Stressmanagements geht es im ersten Schritt um die Analyse der persönlichen Lebenssituation und individuellen Stressfaktoren, Bedürfnisse, Verhaltensweisen und Gewohnheiten, Denkmuster und Glaubenssätze. Die alltäglichen Strukturen des Klienten werden auf einen Prüfstand gestellt. Im nächsten Schritt werden neue Strukturen und Verhaltensweisen definiert. Der Klient beginnt, für ihn passende kurzfristige und langfristige Methoden der Stressbewältigung einzuüben, um den endlosen Kreislauf aus Anspannung zu durchbrechen. Oft sind es einfache Maßnahmen, die den Zustand verbessern, bevor er sich zu einem ernsthaften gesundheitlichen Problem aufschaukelt.

Folgende Maßnahmen stellen die zentralen Aspekte des Stressmanagements dar:

  • Abgrenzung von Beruf und Privatleben
  • Eingrenzung der Arbeitsbelastung
  • Schaffung eines gesunden (Arbeits-)Umfeldes
  • Entdeckung des persönlichen Rhythmus
  • Wahrnehmung und Beachtung der eigenen Bedürfnisse:  das „auf sich selbst Achten“

Es ist keinesfalls das Ziel, Ihr Leben komplett umzukrempeln und auf ein Minimum zu reduzieren. Ganz im Gegenteil: Sie lernen Prioritäten zu setzen, Ihre Bedürfnisse zu beachten, Ihr Zeitmanagement zu optimieren und auf unvermeidliche Stressoren angemessen zu reagieren. Meist sind die Veränderungen gar nicht so gewaltig, doch der Gewinn an Lebensqualität und Gesundheit groß.

 

Resilienz

Dieser Begriff (lat. resilire = zurückspringen, abprallen) bezieht sich auf die Widerstandsfähigkeit und Toleranz eines Menschen gegenüber Störungen und Veränderungen. Individuen mit einer stark ausgeprägten Resilienz werden häufig als „Stehaufmännchen“ bezeichnet. Sie sind in der Lage, auch starke Erschütterungen im Leben scheinbar schadlos zu überstehen, aus ihnen zu lernen und mit ihnen zu wachsen. Diese Stärke ist bei Menschen unterschiedlich ausgeprägt und kann sich im Laufe der Jahre auch drastisch reduzieren. Plötzlich stellt der schwierige Mitarbeiter oder Vorgesetzte, das neue Projekt, der Jobverlust, das Scheitern der Beziehung zum Partner oder eine andere tiefgreifende Veränderung oder ein Problem nicht mehr eine spannende Herausforderung dar, die wie immer zielorientiert und selbstbewusst bewältigt werden kann. Den Mensch „knickt ein“, verliert einen Teil seines Optimismus und des Glaubens, sein Leben wieder in geordnete Bahnen zurückführen zu können.

Bereits in unserer Kindheit werden die Voraussetzungen für das Ausmaß unserer Resilienz geschaffen. Geborgenheit und emotionale
Bindungen, Akzeptanz und Respekt, Freundlichkeit und Offenheit sowie die Unterstützung unserer Vorhaben beeinflussen unsere Resilienz maßgeblich. Langzeitstudien haben jedoch ergeben, dass auch ohne diese optimalen Voraussetzungen, z.B. in einer Umgebung von Armut
und Gewalt, Resilienz entwickelt werden kann.

Resilienz ist eine Fähigkeit, die trainiert werden kann und bei Verlust somit kein unwiederbringliches Gut darstellt. Das Immunsystem der
Seele benötigt Unterstützung, um zu alter Kraft zurück zu gelangen. Die Entwicklung von Akzeptanz, Optimismus und Selbstwirksamkeit, die Übernahme von Verantwortung (für sich selbst) und eine ausgeprägte Netzwerkorientierung mit lösungsstrategischer Kompetenz haben sich hierbei als entscheidende Schlüssel zur Resilienz erwiesen. Wir haben die Möglichkeit, uns ein Leben lang weiter zu entwickeln und unser Leben immer wieder neu zu gestalten.